top of page

Liedermacher aus Handewitt ( SHZ Juli 2022)
Ob er der älteste seiner Passion im Norden Deutschlands ist, kann Wolf Schroeter (Wolf-Rüdiger Schröter ) nicht genau sagen. Wichtig ist dem 83-Jährigen, dem man auch ein deutlich niedrigeres Alter abnehmen würde, vor allem eines:
Der Handewitter setzt überwiegend neben der Vertonung deutscher Dichter eigene, deutsche Texte musikalisch um, verpasst ihnen Melodien, die mal eher volkstümlich anmuten, andere Male eher das Country-Genre bedienen oder als Pop-Schlager eingeordnet werden können.
Kellerbar und viele Instrumente
In der Kellerbar gibt es diverse Getränke, interessante Figuren, Fotos von früher und heute – und vor allem ein vielfältiges Musik-Equipment. Tonbandgerät, Plattenspieler, Kassettenrecorder, Gitarre, Mischpult, diverse Lautsprecher und 2 Keyboards prägen den Raum. Wir befinden uns in der künstlerischen Schmiede von Wolf Schroeter. „Eine Melodie kommt praktisch von allein“, erzählt er. „Und der Text wird so verfasst, dass man beim Singen nicht stolpert.“
Zum Zuhören, weniger zum Tanzen
Der Gastgeber bittet seine elektronische Assistentin „Alexa“ um Hilfe. Sie präsentiert einige Kostproben. „Ich heb mich empor“, „So wie es war“ oder „Komm her mein Freund“. Gerade erst hat Wolf Schroeter ein Gedicht von Wilhelm Busch vertont. Ein aktuelles Projekt ist die „Die graue Stadt am Meer“ von Theodor Storm. Da ist der Liedermacher noch auf der Suche nach der passenden Melodie. So viel ist gewiss: Es wird etwas zum Zuhören, weniger zum Tanzen – so wie bei seinen Werken generell.
„Wolwi Brothers“ interpretierten die legendären „Everly Brothers“
Für Kenner der regionalen Musik-Szene des letzten Jahrhunderts ist Wolf Schroeter kein Unbekannter. Ab Ende der 50er Jahre eilte er mit Wilfried Krumbügel von Auftritt zu Auftritt. Mit Gitarre und Gesang – sie waren die „Wolwi Brothers“. Über dem Keyboard hängt ein Bild von damals, daneben eines von den legendären „Everly Brothers“, deren Hits die "deutsche Kopie" gerne kopierte.
Zumeist sang das Gesangs-Duo aber auf Deutsch. Mit Hits von den James Brothers, Peter Kraus , Freddy Quinn, Peter Alexander, Udo Jürgens u.s.w. trat es mehrfach bei Veranstaltungen im Deutschen Haus und in der Harmonie auf. Im Übrigen hatten sie Auftritte in fast allen Orten zwischen Hamburg und Kopenhagen.
Autogrammkarten für Däninnen im Tivoli
Gerne erzählt Wolf Schroeter, wie er und sein Freund Willi eines Sommers mit Moped und Gitarre gen Skandinavien aufbrachen und an vielen Orten spontan musizierten. Im Tivoli von Kopenhagen hatten die beiden jungen Männer sogar ein kleines Engagement : „Hello, Mary Lou“, sangen sie. „Danach konnten wir mit unseren Autogrammkarten herumwerfen“, erzählt der 83-Jährige. Er und Wilfried Krumbügel hatten offenbar genau den Nerv der Däninnen getroffen.
Auf einer Veranstaltung in Glücksburg lernten sie zwei Musiker kennen und machten danach nach 15 Jahren "Wolwi Brothers" als Quartett „Wolwis“ weiter. Der Grundhof-Krug buchte sie 5 Jahre jeden Samstag. Dazu gesellten sich diverse Veranstaltungen wie Feuerwehrbälle, Dorffeste oder Betriebsfeiern in anderen Orten. Für diese Tage wurden natürlich Ersatz-Bands besorgt.
Nachdem Wolf Schroeter 1976 bei den "Wolwis" ausstieg hatte er 1977 seinen ersten Auftritt als Liedermacher, und zwar im Deutschen Haus bei einer Veranstaltung des Selbsthilfe-Bauvereins. Dort trug er u.a. sein Lied "Ein Leben voller Liebe" vor.
Dann war plötzlich Schluss.
Über 40 Jahre rückten andere Dinge in den Vordergrund. Die Familie zum Beispiel und der Beruf. Er wurde Oberamtsrat bei einer Krankenkasse und nach dem Übergang in den Ruhestand baute er zusammen mit dem Sohn Folke einen Computer-Laden im Handewitter Ortsteil Hüllerup auf.
Zurück zur Musik im Jahr 2019
Dann 2019: Wolf Schroeter las von der norddeutschen Songwriterin Kerstin Bogensee, die ihr erstes Album vorstellte. „Das kann ich doch auch“, dachte er sich, zumal er inzwischen bereits an seinem 4. Album arbeitete. Plötzlich war das alte Feuer zurück. Er schrieb etliche neue Texte, vertonte sie und zog zur musikalischen Bearbeitung den Handewitter Entertainer Jan Eichwald heran, der die professionelle Begleitung am Keyboard übernahm und die Lieder dann auf einen USB-Stick überspielte.
Das Produkt wurde danach von Wolf Schroeter auf eine CD im klassischen Vinyl-Look gebrannt. Dazu wurden entsprechende Cover gefertigt.
Mit dem Flensburger Fotografen Björn Biel entstand auf der Förde bei einem Foto-Shooting auf der "Sonderburg" ein erstes Musik-Video. Inzwischen sind 3 weitere gefolgt, die Wolf Schroeter nun auch u.a. mit seinem Sohn Folke machte, der zur Zeit ein Fernstudium "Tontechnik" macht. Die Musik-Videos wurden wie auch die 4 Alben alle auf YouTube veröffentlicht.
Bei mehreren Anbietern (Amazon, YouTube, Spotify u.a.) sind die Werke von Wolf Schroeter inzwischen über 10.000 Mal „gestreamt“ worden. „100.000 und mehr wäre gut“, sagt er. Der Liedermacher strebt nach größerer Bekanntheit.
Er ist nicht heiß auf öffentliche Auftritte , hat aber bereits eine Idee zur Vermarktung, die er mit seinem Sohn z.Zt. ausarbeitet. Für die musikalische Unterstützung sucht er jetzt einen Keyboarder, der sich mit dem Tyros 5 auskennt und mit dem er weitere Lieder produzieren möchte.
„Am schönsten ist es“, sagt er. „Wenn ich allein in meiner Keller- bar sitze und stundenlang meine eigene Musik hören kann.“ Mittlerweile sind es über 40 Stücke und 5 Videos.
bottom of page



